von St. Dirus:
Das BDSM-Paradoxon
Sind sie Philosoph oder Philosophin und haben Probleme mit BDSM?
1. Es ist der Fall, dass alle Menschen spezifische Bedürfnisse haben.
2. Jene Bedürfnisse zu decken bedarf einer gewissen Anstrengung.
3. Alle gesunden Bedürfnisse dienen dem „Willen zum Leben“ (vgl. Schopenhauer).
4. Der Mensch ist „animal rationale“.
5. Der „Wille zum Leben“, der allen Lebewesen inne ist, führt bei rationalen Wesen zum „Willen zur Macht“ (vgl. Nietzsche).
6. Einige Bedürfnisse, welche sich nicht aus dem „Willen zum Leben“ ergeben, gibt es und sie gelten als schädigende Nebenprodukte der Umsetzung jenes Willens.
7. Ordentlich praktiziert wirft BDSM keine moralischen oder juristischen Probleme auf, da der Rationalitätsgrundsatz vorhanden ist, aus dem sich der Gesellschaftsvertrag (vgl. Hobbes) herleitet.
8. Bedürfnisse kann man entweder decken oder es entsteht dem Individuum ein Schaden (vgl. Buddhismus).
9. Umso mehr Bedürfnisse man hat, desto schwerer ist es, sie zu decken.
10. BDSM ist ein zusätzliches Bedürfnis.
11. BDSM als zusätzliches Bedürfnis schädigt zunächst scheinbar das Individuum.
12. Der „Wille zur Macht“ bringt Weiterentwicklung.
13. Schädigende Bedürfnisse (Individuum ist unglücklich) treiben das Individuum an, sie rational zu decken.
14. Die rationale Deckung schädigender Bedürfnisse (BDSM) stellt das Individuum vor eine schwere Aufgabe. Sie rational zu lösen bedeutet notwendigerweise Fortschritt.
15. Fortschritt muss bedeuten, dass dem „Willen zur Macht“ nachgekommen wird, der hier nicht mehr als eine maximal mögliche Absicherung der lebensnotwendigen Bedürfnisse, der Menschen nur nachkommen können, benutzt wird (Nietzscheinterpretation).
16. Fortschritt gilt als Indiz der Maximierung der Macht als Lebensabsicherung.
17. Schädigende Bedürfnisse haben Ursachen, Handeln hat Gründe.
18. Ein rationales Wesen ist niemals determiniert, und trägt Verantwortung.
19. Der Mensch als rationales Wesen mit dem es selbst schädigenden Bedürfnis nach BDSM versucht dieses Bedürfnis rational zu decken und schafft Fortschritt.
20. BDSMler als rationale Menschen sind zunächst unglücklich mit ihrem überflüssigen und unerfülltem Bedürfnis, welches sie zunächst schädigt, weil sie damit unglücklich sind, die dann jedoch, um diesem Bedürfnis rational nachzukommen, bewältigen müssen, BDSM mit ihren anderen Bedürfnissen in Einklang zu bringen.
21. Jene Unzufriedenheit bei BDSMlern, die nur auf den ersten Blick subjektiv und daher scheinbar als schädigendes Bedürfnis empfunden wird, schafft den bereits erklärten Fortschritt.
22. Fortschritt als ein Indiz der Maximierung der Macht als Lebensabsicherung dient notwendigerweise dem „Willen zum Leben“ in förderlicher Art.
23. Ein „animal rationale“, welches nur die lebensnotwendigsten Bedürfnisse hat, wird ihre Deckung immer weiter absichern (tätiges Streben gemäß des „Willens zur Macht“), ist aber weniger motiviert als Personen mit mehr als nur den lebensnotwendigen Bedürfnissen.
24. Lebensnotwendige Bedürfnisse gelten stets als primär (vgl. Darwin), alle anderen als sekundär.
25. BDSM ist ein sekundäres Bedürfnis.
26. Das Haben von sekundären Bedürfnissen motiviert (positiv oder negativ) das Individuum, welches sie als „animal rationale“ stets konstruktiv umzusetzen versucht.
27. Das stets rationale Decken von sekundären Bedürfnissen beschleunigt den Fortschritt.
28. Eine Beschleunigung des Fortschritts ist stets wünschenswert.
29. BDSM gilt qualitativ als schwer zu deckendes Bedürfnis.
30. Es gilt, dass umso schwerer ein sekundäres Bedürfnis zu decken ist, desto mehr Fortschritt ruft es hervor.
31. BDSM ist ein schwer zu deckendes sekundäres Bedürfnis, denn es wirft besonders viele Problemstellungen in allen Lebensbereichen auf.
32. BDSMler sind Menschen, die in besonderer Weise Fortschritt erzeugen müssen, wenn sie stark genug rational fokussiert auf ihre Neigung sind.
33. Umso heftigere und unmachbarere BDSM Fantasien ein rationaler Mensch hat, desto besser ist das für den Fortschritt.
34. Wenn Fortschrittserzeugung in besonderem Maße ein Merkmal für elitäre Personentypen ist, dann gilt nach dieser Beschreibung, dass einige BDSMler durch ihre besondere Motivation zu einer Art von Elite gehören könnten.
Ist das ein Witz für Philosophen und Philosophinnen? - Die Frage lasse ich gerne offen.